Apr 05 2008
Weinskandale in Italien
Ein “Déjà vu” zeichnet sich momentan in Italien ab.
Bereits 1986 gab es dort einen Riesen Skandal, bei dem über 20 Menschen ihr Leben verloren und zahlreiche Menschen blind wurden. Damals wurden Weine mit dem minderwertigen Alkohol Methanol vermischt.
Heute, pünktlich zur größten italienischen Weinmesse, Vinitaly deckt das Nachrichtenmagazin L´Espresso, die auch schon in der Vergangenheit diverse Skandale an die Öffentlichkeit brachten, auf.
Zum einen stehen namenhafte Weingüter im Verdacht Ihren berühmten Brunello di Montalcino (der zu 100 % aus Sangiovesetrauben aus der Toskana stammen muss), mit billigen Grundweinen aus Süditalien und Südfrankreich “cuvéetiert” zu haben.
Was das bringen soll?
Brunellos sind von Hause aus sehr kräftige Weine mit ziemlich starkem Tanningerüst. Da Italien ja nicht nur Fußballweltmeister sondern auch Exportweltmeister ist, wollte man sich gerade auf den amerikanischen Markt, der bis zu einem Viertel der gesamten Erntemenge Brunello di Montalcino aufkauft, einstellen.
Viel schlimmer jedoch ist der Vorwurf von L´Espresso an die günstigen Weine Italiens, die wir ja alle sooo lieben! Gemeint sind Weine wie Pinot Grigio, einfache Chiantis usw…. Eben alle diese Weine, die wir bei Luigi & Co. um die Ecke bei unserem kleinen Lieblingsrestaurant trinken.
Hier wurden Weine mit chemischen Düngemitteln und sogar Salzsäure versetzt, um die Produktionskosten drastisch zu senken. Ermittelt wird gegen ca. 20 Winzer, überwiegend in Norditalien!
Besonders brisant: Eines der Weingüter in Verona, welches auch schon 1986 in den Methanol Skandal verwickelt war, ist nun auch wieder im Visier der Ermittler.
Für mich stellt sich bei so etwas immer wieder die Frage, ob man solche Weingüter, aber auch Vergewaltiger, Manager und Politiker komplett aus dem Verkehr ziehen sollte und ihnen ein dauerhaftes Berufsverbot aussprechen sollte.
Wenn man nun einen Vergleich zum Glykolskandal 1985 in Österreich zieht: Damals kam der Import von österreicheichischen Weinen in Deutschland fast zum Erliegen. Momentan ist Italien Importland Nr. 1 für Deutschland.
Wir dürfen gespannt sein, ob sich die Absatzzahlen in Deutschland bemerkbar machen oder nicht…
Schade ist dieser Skandal für alle diejenigen Weingüter, die qualitativ hochwertige Weine produzieren und nun “mitleiden” müssen.
Aber ist es nicht immer so…. Ein paar Helden, aus welchen Gründen auch immer, Raffgier, finanzielle Nöten oder einfach nur “nicht nachgedacht”, bringen eine ganze Berufssparte in Bedrängnis…
In diesem Sinne zum Wohl
Ihr Sommelier
Benjamin Gillert